Mauer

Mauer
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Ost-West-Mauer unter der Erlöserkirche, Südansicht. © Vriezen 1994, 50 Taf. II.21, bearbeitet von Dieter Vieweger.

Die fälschlicherweise als ‚Zweite Mauer’ identifizierte Stadtmauer erwies sich in ihren unteren Lagen (Feldsteine) als Teil der hadrianischen Bebauung südlich seines um 135 n. Chr. errichteten Heiligtums. Sie wurde in den folgenden zwei Jahrhunderten als Terrassenmauer erhöht (behauene Steine) und diente vermutlich Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. als Stützmauer des südlich der Grabeskirche Konstantins angelegten Forums.

Das Gelände nördlich der Ost-West-Mauer wurde im Laufe des 2. und 3. Jahrhunderts n. Chr. allmählich aufgeschüttet. Dabei wurde aus der ehemaligen Feldsteinmauer und der in ihr rechtwinklig eingebundenen Mauerzüge (Fundamente von uns nicht näher bekannten Gebäuden zur Zeit Hadrians) eine schrittweise erhöhte Terrassenmauer. Hierfür wurden nunmehr behauene Steine verwandt.

Als schließlich Anfang des 4. Jahrhunderts n. Chr. der hadrianische Tempel abgerissen und die Grabeskirche errichtet wurde, diente die längs des heutigen Kirchenschiffs verlaufende Ost-West-Mauer in ihrer heutigen Höhe wohl als Stützmauer des südlich der Grabeskirche angelegten Forums. Das zugehörige Steinplattenpflaster liegt in etwa auf der gleichen Höhe wie der antike Cardo östlich der Grabeskirche, nämlich bei +752,60 m NN.

Die fälschlicherweise als ‚Zweite Mauer’ identifizierte Terrassenmauer wurde in der Sekundärliteratur angesichts ihrer Deutung als Stadtmauer breiter beschrieben, als sie tatsächlich ist: statt der realen Breite von 1,60 m ‚wuchs’ sie bei Vincent und Steve auf stattliche 3 m an. Die Mauer hat nur nach Süden hin ein einigermaßen ‚ebenes’ Gesicht. Nach Norden besitzt sie Höhlungen und Spalten und bietet keinerlei Sichtmauerwerk. Im Osten, jenseits der heutigen Besucher-Brücke, ist eine von möglicherweise zwei vertikalen Baunähten zu sehen. Von dieser Stelle an schwenkte sie auf ihrer östlichen Seite um 60 nach Norden.